Frankfurter Rundschau,
17.03.2004
FALL AGEEB
Aktionsbündnis erstattet Anzeige gegen
Kapitän
Frankfurt · 16. März · lhe · Am Rande des Prozesses
um den Tod des sudanesischen Abschiebehäftlings Aamir Ageeb haben Menschenrechtler
Strafanzeige gegen den verantwortlichen Flugzeugkapitän gestellt. Die Beweisaufnahme
im Prozess gegen drei Grenzschutzbeamte habe ergeben, dass der Pilot bei der
Abschiebung im Mai 1999 die widerrechtliche Fesselung des sich heftig wehrenden
Häftlings geduldet habe, erklärte das "Aktionsbündnis gegen
Abschiebungen Rhein-Main" am Dienstag in Frankfurt. Der Lufthansa-Kapitän
habe sich damit der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen schuldig
gemacht. Eine entsprechende Anzeige sei bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt
eingereicht worden.
Der gefesselte und in den Sitz niedergedrückte Ageeb war kurz nach dem
Start der Maschine von Frankfurt erstickt. In dem Prozess gegen die drei an
der Abschiebung beteiligten Grenzschützer vor dem Amtsgericht Frankfurt
werden heute die Plädoyers erwartet. Die Verteidigung hat während
des Verfahrens versucht zu beweisen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse über
die gefährliche Sitzposition des Häftlings von leitenden BGS-Stellen
nicht an die Beamten weitergegeben wurden.